Bernd

panam

Bernd Hein

Ich weiß nicht, wann ich zum ersten Mal neugierig war. Meine Mutter hat mir erzählt, dass die Kindergärtnerinnen die Augen verdrehten und erschöpft wirkten, wenn sie Mittags kam, um mich abzuholen. Die anderen Kinder spielten mit Puzzles oder malten lustige Bilder, auf denen man nichts erkennen konnte.
Ich fragte lieber „WARUM?“
„Warum darf ich nicht hinter den Zaun?“
„Warum muss ich in der Zweierreihe laufen?“
„Warum darf ich das Auto nicht auseinander nehmen?“
„Tante, warum willst Du mich im Auge behalten?“
„WARUM?“ war meine Lieblingsfrage. Ich wiederholte sie so lange, bis aus den Erwachsenen nur noch Blödsinn rauskam. Meistens konnten sie meine Neugier nicht zufriedenstellen. Deshalb beschloss ich, alles was ich nicht kannte, selbst zu erforschen.
Mein erstes Werkzeug war eine Plastikschaufel. Ich sagte der Kindergärtnerin: „Weißt du was, ich grab jetzt ein Loch bis zum anderen Ende der Erde.“ Die Kindergärtnerin sagte:
„Klar, mach das.“ Ich begann zu graben, ich schwitzte.
Der Sand war zuerst trocken, etwas tiefer war er nass und
noch etwas tiefer gings nicht weiter, da kam eine Betonschicht.
Die Kindergärtnerin hat bestimmt gewusst, dass ich das
andere Ende der Erde niemals auf diesem Weg erreichen würde. Sie hats mir nicht gesagt. Vielleicht, weil sie froh war, eine halbe Stunde nichts gefragt zu werden. Vielleicht, weil sie dachte: „Er ist ja nur ein Kind.“
Später fand ich in der Bücherei Heinz Helfgen, den Ur-Opa
aller Fernwehsüchtigen. „Ich radle um die Welt“ heißt sein Buch. Auf einem Dreigangrad ist er nach dem Krieg losgefahren, durch Jugoslawien nach Indien, immer weiter. Ich konnte es kaum fassen. Ich las auch die Bücher des Artisten Heinz Rox-Schulz, der auf dem Dach eines Wolkenkratzers
von Singapur einen Handstand über zwei aufeinanderstehenden Weinflaschen stemmte. Ein Globetrotter, bevor Reisen eine Modekrankheit wurde.
Viele Worte, um zu erklären, warum ich eine Radtour von
Vancouver nach Ushuaia machen werde. Das ist auf dieser
Homepage schließlich das Wichtigste. Aber ein paar
biografische Details müssen auch sein.
Ich bin im August 1968 in Recklinghausen geboren. Als ich
anderthalb Jahre alt war, zogen meine Eltern mit mir nach
Dortmund. Dort bekam ich zwei Schwestern. Dann hatte
Vater das Haus in Bönen zu Ende gebaut und wir zogen
nochmal um. Mein Bruder wurde geboren.
Nach dem Abitur ging ich mit einem Schulkameraden aus
dem Ruhrpott ins Allgäu. Wir hatten
Zivi-Stellen in einer Rehabilitationsklinik angenommen und
genossen 20 Monate lang die Freiheit.
Ich bewarb mich um einen Platz an der Krankenpflegeschule
der Münchner Universität und siedelte - schon zusammen
mit Kerstin - in die bayerische Landeshauptstadt um.
Parallel zur Pflegerei begann ich in freier Mitarbeit bei einer
Tageszeitung zu schreiben. So etwas hatte ich schon zu
Schulzeiten gemacht. Aus der Zeilenschinderei wurde ein
Volontariat und man übernahm mich als Redakteur.
Als ich von Kommunalpolitik und Schützenvereinen die
Nase voll hatte, startete ich eine Existenz als freier Journalist.

zurück